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DomainFactory: Vom Favoriten zum Problemfall

DomainFactory: Vom Favoriten zum Problemfall
Bild: Customer Experience © Kiattissak Lamchan / CanvaPro

Als Webdesignerin habe ich im Laufe der Jahre einige Hostinganbieter kennengelernt. Manche, bei denen die Administration total easy und intuitiv war, und andere, bei denen man sich ziemlich umständlich einarbeiten musste. Manche Anbieter, bei denen ein CMS wunderbar lief, andere, bei denen man ständig irgendwelche Probleme hatte. In all den Jahren habe ich mich immer darüber gefreut, wenn ein Kunde bei DomainFactory war - damit hatten wir nie Schwierigkeiten, wir waren selbst dort und haben diesen Anbieter auch gerne empfohlen, wenn ein Kunde noch ohne Hoster war.

Doch in den vergangenen Jahren änderte sich das. Mit der Übernahme erst durch Host Europe, dann GoDaddy, ließ als erstes der Support stark nach: Früher konnte man bei Problemen einfach anrufen und erhielt sofort noch während des Telefonats fachkundige Unterstützung. Irgendwann wurde das Problem dann nur noch aufgenommen und ein Techniker nahm sich in den nächsten Stunden oder Tagen des Problems an. Aber immerhin: Es wurde noch gelöst. Mittlerweile ist auch das Vergangenheit.

Vor etwas über einem Jahr kam die Ankündigung, dass die Postfächer - bislang kostenlos - auf kostenpflichtige M365-Postfächer umgestellt würden. Außerdem sollten alle Hosting-Angebote auf eine neue Plattform migriert werden. Das ganze sollte mit einer neuen Preisgestaltung einhergehen - und hätte für uns eine Verdreifachung der monatlichen Kosten bedeutet. Dass Preise angepasst werden müssen, ist nachvollziehbar. Aber in dem Umfang? Bei sinkender Qualität? Und dabei auch noch dem Zwangsumzug zu Microsoft? Wir haben uns lange darüber Gedanken gemacht und für uns beschlossen, nach über 20 Jahren den Anbieter zu wechseln. Eine sehr gute Entscheidung, wie die Zukunft zeigen sollte!

Wir betreuen einige Kunden, die noch bei df.eu sind. Das erste Ärgernis (abgesehen von dem mittlerweile unterirdischen Support) war die permanente Verzögerung der Migrationen. Ständig bekamen unsere Kunden Ankündigungs-E-Mails - ohne das ein konkretes Datum genannt wurde oder irgendwas anderes passierte. Es kam, wie es kommen musste: Die entscheidende E-Mail wurde übersehen, die E-Mail-Migration kam völlig überraschend, unser Kunde konnte von heute auf morgen nicht mehr auf seine E-Mails zugreifen. Und wie sollte es anders sein: Ich war im Urlaub, hatte nur mein kleines Tablet dabei und musste via Bildübertragung auf dem Smartphone und Tablet meinen Kunden zumindest bis zum Postfach im Browser navigieren. Natürlich mit Einrichtung neuer Passwörter - die waren ja alle zurückgesetzt. So konnte er sich dann zumindest erst mal behelfen, bis ich eine Woche später bei ihm vor Ort Thunderbird neu einrichten konnte (zumindest das hat trotz M365 gut funktioniert). Die Migration auf das cPanel Webhosting erfolgte eine Woche nach den Postfächern - und zunächst offensichtlich ohne Schwierigkeiten. Ich empfand die Administration jetzt im Vergleich zu vorher zwar ziemlich kompliziert, aber das kannte ich ja schon von Host Europe…

Im Laufe der nächsten 5 Monate wurden fast alle von mir regelmäßig oder unregelmäßig betreuten Kunden migriert. Alle - bis auf einen. Den, bei dem ich dringend auf die Migration gewartet habe, weil ich auf eine neuere Datenbank hoffte (die alte Version war zu niedrig für das schon überfällige Core-Update). Irgendwann habe ich dann doch beherzt die alte Datenbank gelöscht und eine neue, aktuelle angelegt, um das Update des CMS machen zu können. Gute Entscheidung: Dieser Kunde wurde nicht migriert, DomainFactory hat seine Migrationen gestoppt.

So weit, so gut - dachte ich. Im Januar trat dann das nächste Problem auf. Ein Kunde reaktivierte eine Seite, die Bestätigungsmails versenden muss. Diese Seite läuft jedes Jahr nur 3-4 Monate, in der Zeit ist die Funktionalität aber essentiell. Wir mussten feststellen, dass die Seite eben keine E-Mails mehr versenden konnte. Da die Migration schon einige Zeit zurücklag, hatten wir erst mal alles andere im Verdacht, bis wir feststellen mussten: Der SMTP-Versand ist nicht mehr möglich. Sendmail und PHP-Mail schon, allerdings kommt das nicht in Frage, da wir mit diesen Versandarten Probleme bei den Empfängern hatten. Nach zwei Monaten sehr unerquicklichen Austauschs mit dem Support von DomainFactory war klar: Die Mail-Ports sind durch die Firewall gesperrt und es gibt auch keinen Weg, das zu unterbinden. Möglich ist nur das Hinterlegen eines Postfachs bei DomainFactory selbst, der Kunde ist mit seinen E-Mails aber schon lange bei M365 (nur eben nicht über DomainFactory). Zwei Wochen später war DomainFactory für diesen Kunden Geschichte und er ist nun zufrieden bei Hetzner…

Jahrelang habe ich DomainFactory die Treue gehalten - aber was ich in den letzten Monaten gesehen habe, hat mich eines Besseren belehrt. Es tut mir leid um die wirklich guten Mitarbeiter (wo auch immer sie jetzt sind - ich hoffe, sie haben den Absprung rechtzeitig geschafft) und um die Kunden, die nun im Regen stehen. Für mich war es das - und hoffentlich für meine Kunden auch.

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Gerald Kaufmann

Gerald Kaufmann

Webdeveloper
Vertrieb und Technik sind meine Themen. Ich blogge über alles, was mir bei meiner Arbeit und in meinem Leben schreibenswert erscheint.
Dagmar Merbecks

Dagmar Merbecks

Mediendesignerin
Mediendesignerin mit besonderer Vorliebe fürs Web, die WYSIWYG für überflüssig hält. Weitere Interessen: Marketing, Social Media, Technik - und natürlich Paderborn!